19./20.Jh. - Kreis Goslar: Liebenburg & Kreis Gandersheim: Heckenbeck

Familie Wilhelm Kiehne & Lehrmann

Heinrich Ludwig Wilhelm Kiehne, 1851-1946, war Schneidermeister in Dörnten (Liebenburg, Kreis Goslar) und hatte die drei Töchter Anna 1877-1956, Bertha 1881-1961 und Emma 1883-1970 sowie einen Sohn, Friedrich 1890-1891 .

 

Wilhelm war gebürtig aus Heckenbeck (Kreis Gandersheim) und laut Familienüberlieferung zweimal verheiratet.

Raum Gandersheim mit Heckenbeck, um 1850

Quelle: mapire.eu (Österreichisches Staatsarchiv, Arcanum Adatbázis Kft)

Liebenburg/Lewe mit Dörnten, um 1850

Quelle: mapire.eu (Österreichisches Staatsarchiv, Arcanum Adatbázis Kft)

Was Wilhelm von Heckenbeck ins rund 40 km entfernte Liebenburg verschlug, wissen wir bisher nicht. Seine beiden Ehefrauen sollen Schwestern gewesen sein. Vorerst ist nicht zweifelsfrei geklärt, welche der Frauen die Mutter seiner drei Töchter war - die Familienaufzeichnungen widersprechen hier zum Teil der Aktenlage. Glücklicherweise ist es bei Schwestern nicht so arg wichtig für die Ahnenforschung, welche nun tatsächlich die biologische Mutter war.

 

Die zwei Ehefrauen waren Wilhelmine und Dina Lehrmann (oder Leermann). Ein Heiratseintrag liegt bisher nur für Wilhelmine vor: das evangelische Kirchenbuch Dörnten führt die Trauung für das Jahr 1877.

 

Im Jahr 1890 unternahm Wilhelm zusammen mit Dina sowie den Töchtern Bertha, Emma und Anna einen Auswanderversuch nach Australien (diese Auswanderung gehört zu den bisher spannendsten Geschichten meiner Vorfahren).

 

Am wahrscheinlichsten erscheint also, dass Wilhelmine irgendwann nach Geburt der dritten Tochter verstarb und Wilhelm dann ihre Schwester Dina heiratete. Die Schwesternheirat ("Sororat") kam garnicht so selten vor. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert gehörte die Niederkunft zu den größten Gefahren im Leben einer Frau. Viele starben im Kindbett, und die hinterbliebenen Witwer brauchten schnellstmöglich wieder eine Frau, die sich um die Haushaltsführung und die Kindererziehung kümmerte. Eine unverheiratete (meist jüngere) Schwester der verstorbenen Frau bot sich da an, da sie mit den Gepflogenheiten in der Familie und den Kindern meist bereits vertraut war. Heute mag uns das wenig emotional und irgendwie wirtschaftlich erscheinen. Das war es vielleicht auch; aber es hat funktioniert (in anderen Teilen der Welt funktioniert dieses System auch heute noch). Die Liebesheirat, wie sie bei uns heute üblich ist, ist eher eine Erfindung der Neuzeit und bei weitem nicht die einzige Methode, wie Paare zueinander finden können.

 

Die Familienfotos sind zwar mit "Wilhelmine Kiehne" beschriftet, wahrscheinlicher ist aber, dass sie die Stiefmutter der Mädchen - Dina - zeigen. Dina Kiehne

 

Das Bild ganz oben zeigt Wilhelm mit seiner Frau im Jahr 1912 in Liebenburg. Das Foto wurde offenbar anlässlich der Hochzeit der Tochter Bertha aufgenommen.

 

Wilhelm Kiehne war mein Ururgroßvater.